Nachhaltige Druckfarben im Textildruck: was tatsächlich zählt

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Bei zertifizierten Taschen wird über Anbau, Verarbeitung und Siegel gesprochen. Über die Farbe, die anschließend darauf kommt, fast nie — und das ist die Lücke, durch die die meisten Nachweise fallen.

Warum die Farbe über den Nachweis entscheidet

Das ist der Punkt, der diesen Artikel wichtig macht: Bei GOTS sind Druckfarben und Hilfsmittel Teil des Standards.

Wenn Sie zertifizierte Rohlinge einkaufen und mit nicht konformen Farben bedrucken lassen, ist das fertige Produkt nicht mehr GOTS-konform — auch wenn der Stoff es war. Der Nachweis, den Sie erwerben wollten, endet an der Druckmaschine.

Das passiert häufiger, als man annehmen sollte, weil Rohlingsbezug und Veredelung oft bei verschiedenen Unternehmen liegen. Der Händler kauft zertifizierte Ware, die Druckerei setzt ihre Standardfarben ein, und niemand überblickt die Kette.

Was welches Siegel jeweils abdeckt, steht ausführlich unter Bio & Fairtrade.

Die beiden Farbsysteme im Textildruck

Wasserbasierte Farben und Plastisol im Vergleich

WasserbasiertPlastisol
Verhalten auf dem Gewebezieht in die Faser einlegt sich als Schicht auf
Griff der Druckflächeweich, textilfester, spürbar
Deckkraft auf dunklem Stoffgeringer, Unterdruck nötighoch
Detailschärfegut bei glattem Gewebesehr gut
Optikin den Stoff integriertaufliegend, gleichmäßig

Wichtig für die Einordnung: „wasserbasiert" bezeichnet das Trägermedium, nicht die Unbedenklichkeit. Das Wasser ersetzt Lösemittel als Träger — über die übrigen Bestandteile, Pigmente und Hilfsmittel sagt der Begriff nichts.

Eine wasserbasierte Farbe kann geprüft und konform sein oder auch nicht. Der Begriff allein ist kein Nachweis, genauso wenig wie „natürlich" oder „umweltfreundlich" auf einer Produktseite.

Was Sie tatsächlich fragen sollten

Nicht „welche Farbe verwenden Sie", sondern:

  1. Ist das eingesetzte Farbsystem für den geforderten Standard freigegeben?
  2. Gilt das für die Farben, die in meinem Auftrag verwendet werden — oder nur für einen Teil des Sortiments?
  3. Gilt der Nachweis für den Rohling oder für das bedruckte Endprodukt?
  4. Kann ich die Farbdokumentation bekommen, wenn ein Audit sie verlangt?

Die dritte Frage ist die wichtigste, und sie taucht in keinem Standardformular auf. Wie Sie ein Zertifikat generell auf Belastbarkeit prüfen, steht im Artikel zu echten Zertifizierungen.

Wo ein weißer Unterdruck ins Spiel kommt

Ein praktischer Zusammenhang, der die Farbwahl beeinflusst.

Auf dunklem oder farbigem Gewebe braucht ein helles Motiv eine weiße Schicht darunter. Wasserbasierte Farben decken auf dunklem Grund weniger stark, brauchen also eher einen Unterdruck — was einen zusätzlichen Druckgang bedeutet und den Griff der Fläche verändert.

Wenn Ihnen sowohl ein konformes Farbsystem als auch ein weicher Griff wichtig sind, ist ein heller Gewebeton die einfachere Lösung als eine dunkle Tasche mit Unterdruck. Wie sich Gewebefarben auf das Ergebnis auswirken, steht unter Druck auf naturfarbener Baumwolle.

Der Sonderfall Lebensmittel

Bei Beuteln, die mit unverpackten Lebensmitteln in Berührung kommen, gilt eine eigene Anforderungsebene, die über Textilstandards hinausgeht — und die Druckfarbe ist dabei der sensible Teil, nicht das Gewebe.

Eine Farbe, die auf einer Einkaufstasche unproblematisch ist, ist auf einem Brotbeutel nicht automatisch zulässig. Wenn Sie Obst- und Brotbeutel bestellen, nennen Sie den Lebensmittelkontakt ausdrücklich bei der Anfrage — das ist eine andere Prüfung als die textile.

Was die Farbe für die Haltbarkeit bedeutet

Ein Punkt, der bei der Nachhaltigkeitsdiskussion regelmäßig untergeht: Die ökologisch wichtigste Eigenschaft einer Druckfarbe ist, dass sie hält.

Ein Druck, der nach zehn Wäschen rissig wird, führt dazu, dass die Tasche aussortiert wird — und dann war die gesamte Herstellung umsonst, unabhängig davon, wie die Farbe zertifiziert war.

Bei Ware, die häufig gewaschen wird, sollte die Waschbeständigkeit deshalb gleichrangig mit der Konformität behandelt werden. Beides zusammen ist erreichbar; eines gegen das andere auszuspielen wäre falsch.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen wasserbasierten Farben und Plastisol?

Wasserbasierte Farben ziehen in die Faser ein und hinterlassen einen weichen Griff. Plastisol legt sich als Schicht auf das Gewebe und fühlt sich fester an. Beide haben unterschiedliche Stärken bei Deckkraft und Haltbarkeit.

Verlangt GOTS bestimmte Druckfarben?

Ja. Bei GOTS sind Farben und Hilfsmittel Teil des Standards. Wird eine zertifizierte Tasche mit nicht konformen Farben bedruckt, ist das fertige Produkt nicht mehr GOTS-konform.

Woran erkenne ich, ob eine Druckfarbe geprüft ist?

An der Zertifizierung des eingesetzten Farbsystems, nicht an der Beschreibung. Fragen Sie nach dem konkreten Nachweis für die Farbe, die in Ihrem Auftrag verwendet wird.

Sind wasserbasierte Farben automatisch umweltfreundlicher?

Nicht automatisch. „Wasserbasiert" bezeichnet das Trägermedium, nicht die Zusammensetzung der übrigen Bestandteile. Entscheidend ist die Prüfung des konkreten Farbsystems.

Beeinflusst die Farbwahl den Griff der Tasche?

Ja, spürbar. Wasserbasierte Farben bleiben textil im Griff, aufliegende Systeme erzeugen eine festere Fläche — besonders bei großflächigen Motiven und bei zusätzlichem Unterdruck.

Gilt das auch für den All-Over-Druck?

Auch dort werden Farben eingesetzt, und auch dort gilt die Konformitätsfrage. Nennen Sie Ihren Nachweisbedarf, bevor das Verfahren festgelegt wird — nicht danach.

Fazit

Die Zertifizierung endet nicht am Rohling. Wer einen Nachweis für das fertige, bedruckte Produkt braucht, muss die Farbe mitprüfen — und das ist die Frage, die in Ausschreibungen fast nie gestellt wird.

Nennen Sie uns mit der Anfrage, ob der Nachweis für den Rohling oder für die fertige Tasche gelten muss. Davon hängt ab, welche Farben und welches Verfahren wir einplanen. Zum zertifizierten Sortiment: Bio & Fairtrade.


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Senior Marketing-Stratege & Werbeartikel-Experte

Berät seit über zehn Jahren B2B-Unternehmen bei Auswahl und Veredelung individueller Werbeartikel – mit Fokus auf messbarer Markenwirkung und nachhaltigen Promotion-Strategien.

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