All-Over-Druck oder Siebdruck? Wann sich welches Verfahren rechnet
Die Verfahrensfrage wird meist zu spät gestellt — nämlich dann, wenn das Motiv längst steht. Dabei entscheidet sie mit über den Stückpreis, über die Gestaltungsfreiheit und darüber, ob Ihr Layout überhaupt umsetzbar ist.
Die gute Nachricht: Es sind im Kern nur drei Verfahren, und die Entscheidung folgt zwei Größen — Farbanzahl und Auflage.
Die drei Verfahren nebeneinander
| Siebdruck | Digitaldruck | All-Over-Druck | |
|---|---|---|---|
| Rüstkosten | je Farbe ein Klischee | keine | keine |
| Farbanzahl | preiswirksam | preisneutral | preisneutral |
| Fotomotive | nein | ja | ja |
| Druckbereich | begrenzte Fläche | begrenzte Fläche | vollflächig, randlos |
| Über Nähte und Falten | nein | nein | ja |
| Motivwechsel in der Auflage | neue Rüstkosten | kostenneutral | kostenneutral |
| Stärke | günstigster Stückpreis in Auflage, sehr waschbeständig | Mehrfarbigkeit ohne Aufpreis | gestalterische Freiheit |
Die Kostenlogik ist der eigentliche Unterschied
Hier fallen die meisten Kalkulationen zu vorsichtig aus, und der Grund ist Gewohnheit.
Im Siebdruck entstehen Rüstkosten pro Farbe. Für jede Farbe wird ein Klischee angefertigt — eine Schablone, durch die Farbe auf den Stoff gedrückt wird. Ein vierfarbiges Motiv kostet damit vier Klischees, und das lohnt sich erst ab entsprechender Auflage. Deshalb sind viele Werbetaschen einfarbig: nicht aus gestalterischen Gründen, sondern aus kalkulatorischen.
Im Digital- und All-Over-Druck gibt es keine Klischees. Ein Fotomotiv mit tausend Farbabstufungen kostet exakt dasselbe wie eine zweifarbige Grafik. Auch ein Motivwechsel innerhalb derselben Auflage erzeugt keine zusätzlichen Rüstkosten.
Für Sie heißt das: Die gestalterische Zurückhaltung, die Sie von Werbetaschen kennen, ist im Digitaldruck nicht nötig. Wer im Siebdruck denkt und digital bestellt, verschenkt Spielraum, der nichts kostet.
Umgekehrt gilt: Bei einem einfarbigen Logo in hoher Auflage bleibt der Siebdruck im Stückpreis unschlagbar. Die Klischeekosten verteilen sich dann auf so viele Stück, dass sie nicht mehr ins Gewicht fallen.
Was All-Over-Druck tatsächlich bedeutet
Der Begriff wird im Markt unsauber verwendet, deshalb hier die Abgrenzung.
Platzierungsdruck — der Normalfall bei Sieb- und Digitaldruck — setzt Ihr Motiv in ein definiertes Feld auf der Vorder- oder Rückseite. Um dieses Feld herum bleibt der Stoff unbedruckt. Der Druck endet dort, wo die Druckfläche endet.
All-Over-Druck kennt diese Begrenzung nicht. Das Motiv wird über die gesamte Fläche gedruckt und läuft über Nähte, Boden- und Seitenfalten hinweg. Es gibt keinen unbedruckten Rand und keinen Absatz an der Naht.
Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Eine Tasche mit Platzierungsdruck ist eine Baumwolltasche mit einem Logo darauf. Eine Tasche mit All-Over-Druck ist ein gestaltetes Objekt — der Stoff selbst trägt Ihr Motiv. Für Marken, deren Auftritt über ein Muster, eine Bildwelt oder eine Farbfläche funktioniert, ist das der einzige Weg, diesen Auftritt auf eine Tasche zu bringen.
Besonders relevant bei gefalteten Modellen
Bei Taschen mit Boden- oder Seitenfalte verschiebt sich die Rechnung noch einmal. Im Platzierungsdruck bleibt die Falte frei, und die nutzbare Fläche ist kleiner, als die Außenbreite vermuten lässt. Im All-Over-Druck läuft das Motiv über die Falte hinweg, und die Fläche ist vollständig nutzbar.
Das ist der eigentliche Grund, warum gefaltete Modelle so häufig im All-Over-Verfahren gedruckt werden: Es ist die einzige Möglichkeit, die Kastenform gestalterisch als Ganzes zu behandeln statt als bedruckte Vorderseite mit unbedruckten Seiten.
Entscheidungshilfe
| Ihr Vorhaben | Verfahren |
|---|---|
| Einfarbiges Logo, hohe Auflage | Siebdruck |
| Einfarbiges Logo, kleine Auflage | Digitaldruck — die Klischeekosten lohnen sich nicht |
| Mehrfarbiges Logo oder Farbverlauf | Digitaldruck |
| Fotomotiv | Digital- oder All-Over-Druck |
| Durchgehendes Muster oder Farbfläche | All-Over-Druck |
| Mehrere Motivvarianten in einer Bestellung | Digital- oder All-Over-Druck |
| Ware, die dauerhaft und heiß gewaschen wird | Siebdruck, einfarbig |
| Gefaltete Tasche, Motiv soll die Falte überlaufen | All-Over-Druck |
Was Sie beim Gestalten beachten sollten
Vier Punkte, an denen es in der Praxis hakt — unabhängig vom Verfahren.
Nähte und Falten. Beim All-Over-Druck läuft das Motiv darüber hinweg, aber an der Naht entsteht ein minimaler Versatz. Ein durchgehendes Muster verzeiht das problemlos. Ein Schriftzug, der genau über die Seitenfalte läuft, nicht. Platzieren Sie kritische Elemente — Logo, Claim, Kontaktdaten — in ruhigen Flächen.
Beschnitt. Ihr Motiv muss über die spätere Kante hinausreichen. Ohne Beschnittzugabe entsteht an der Kante ein unbedruckter Streifen.
Mindeststrichstärke. Unterhalb einer bestimmten Stärke brechen Linien weg. Das betrifft vor allem Logos, die für Briefköpfe entworfen und nie in Taschengröße geprüft wurden.
Auflösung. Bei einem vollflächigen Fotomotiv wird die Datei über die gesamte Tasche skaliert. Was auf dem Bildschirm scharf wirkt, kann im Druck weich werden. Liefern Sie in Originalgröße und hochauflösend.
Und das Gewebe darunter
Das Verfahren entscheidet nicht allein über das Ergebnis — die Grammatur tut es mit. Auf einem dichten, schweren Gewebe steht die Farbe sauberer, Kanten bleiben schärfer und weniger Untergrund scheint durch.
Wenn ein anspruchsvolles Motiv der Grund für die Bestellung ist, sollten Sie bei der Qualität nicht sparen. Die schweren Qualitäten finden Sie unter Canvas; die leichteren, für Streuartikel geeigneten, unter klassische Baumwolltaschen.
Häufige Fragen
Was ist All-Over-Druck genau?
Ein digitales Druckverfahren, bei dem das Motiv vollflächig über die gesamte Tasche läuft — randlos, über Nähte sowie Boden- und Seitenfalten hinweg. Im Gegensatz zum Platzierungsdruck gibt es keine begrenzte Druckfläche und keinen unbedruckten Rand.
Kostet ein mehrfarbiges Motiv im Siebdruck mehr?
Ja. Im Siebdruck wird pro Farbe ein Klischee angefertigt, die Rüstkosten steigen also mit jeder Farbe. Im Digital- und All-Over-Druck entfallen Klischees vollständig — dort ist die Farbanzahl preisneutral.
Welches Verfahren hält am längsten?
Bei einfarbigen Motiven, die stark beansprucht und häufig gewaschen werden, ist der Siebdruck nach wie vor die robusteste Lösung. Bei mehrfarbigen Motiven stellt sich die Frage nicht, weil Siebdruck dort wirtschaftlich ausscheidet.
Kann ich ein Foto auf eine Baumwolltasche drucken lassen?
Ja, im Digital- oder All-Over-Druck. Fotomotive, Farbverläufe und feine Abstufungen sind dort ohne Aufpreis möglich — im Siebdruck sind sie es nicht.
Wird die Rückseite mitbedruckt?
Beim All-Over-Druck ja, Vorder- und Rückseite. Sie können beide identisch oder unterschiedlich gestalten, ohne dass zusätzliche Rüstkosten entstehen. Beim Platzierungsdruck ist die zweite Seite ein eigener Arbeitsgang.
Wie verhält sich der Druck an der Naht?
Beim All-Over-Druck läuft das Motiv über die Naht hinweg, an der Nahtstelle selbst entsteht jedoch ein minimaler Versatz. Bei Mustern und Farbflächen fällt das nicht auf. Bei Schrift oder einem Logo direkt auf der Naht schon — deshalb melden wir uns in der Datenprüfung, bevor gedruckt wird.
Fazit
Zwei Fragen genügen für die Verfahrenswahl: Wie viele Farben, und wie viele Stück? Einfarbig und viel heißt Siebdruck. Alles andere spricht für ein digitales Verfahren — und wenn das Motiv über die Kante hinauslaufen soll, für den All-Over-Druck.
Alle vollflächig bedruckbaren Modelle finden Sie unter All-Over-Druck. Senden Sie uns Ihr Motiv mit der Anfrage: Wir sagen Ihnen, welches Verfahren das bessere Ergebnis liefert — auch dann, wenn das gegen die aufwendigere Variante spricht.
Berät seit über zehn Jahren B2B-Unternehmen bei Auswahl und Veredelung individueller Werbeartikel – mit Fokus auf messbarer Markenwirkung und nachhaltigen Promotion-Strategien.
Alle Artikel ansehen