Beidseitiger Druck auf Taschen: wann sich die zweite Seite lohnt

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Die Rückseite ist die am häufigsten ungenutzte Werbefläche im Sortiment. Sie ist genauso groß wie die Vorderseite, sie kostet nichts an Material — und sie bleibt bei den meisten Aufträgen leer.

Manchmal zu Recht. Aber nicht so oft, wie die Praxis nahelegt.

Was die zweite Seite kostet

Das hängt vollständig vom Verfahren ab, und der Unterschied ist größer, als die meisten annehmen.

Kosten der zweiten Seite nach Druckverfahren
VerfahrenZweite Seite
Siebdruckeigener Arbeitsgang, zusätzlich pro Farbe ein Klischee
Digitaldruckeigener Arbeitsgang, aber keine Klischeekosten
All-Over-Druckenthalten — es wird ohnehin die gesamte Fläche bedruckt

Die dritte Zeile ist der Punkt, der die Verfahrensentscheidung mitbestimmen kann. Beim All-Over-Druck stellt sich die Frage nach der Rückseite gar nicht — sie ist Teil der Fläche. Wer beidseitig bedrucken will, sollte das Verfahren deshalb gegenrechnen lassen, statt es als reine Gestaltungsfrage zu behandeln.

Im Siebdruck dagegen ist die zweite Seite die teuerste Variante, weil sich Klischeekosten und Rüstzeit verdoppeln. Ausführlich dazu: Was kostet ein Klischee.

Wann sich die zweite Seite rechnet

Die Frage ist nicht „kostet es mehr", sondern „wird die Rückseite gesehen".

Ja, wenn die Tasche getragen wird. Auf einer Messe, im Straßenbild, im Zug: Eine Tasche über der Schulter wird von hinten mindestens so oft gesehen wie von vorn. Einseitig bedruckt zeigt gut die Hälfte aller Betrachtungen eine leere Fläche.

Ja bei langen Henkeln. Die Tasche hängt am Körper und dreht sich beim Gehen. Bei Modellen mit Schulterhenkeln ist die Rückseite deshalb keine Randerscheinung.

Nein bei der Übergabe über den Tresen. Wenn die Tasche gereicht, gefüllt und mitgenommen wird, sieht der Kunde die Vorderseite. Die zweite Seite erreicht kaum jemanden.

Nein bei reiner Präsentation. Eine Tasche im Regal oder auf dem Messetisch zeigt eine Seite. Investieren Sie das Geld dort besser in Grammatur oder Format.

Was auf die Rückseite gehört

Der häufigste Fehler ist, dasselbe Motiv zweimal zu drucken. Das ist nicht falsch, verschenkt aber die eigentliche Möglichkeit.

Eine unterschiedlich gestaltete Rückseite kann Dinge tragen, die vorn nicht hingehören:

  • Kontaktdaten und Webadresse — vorn stört ein Adressblock die Bildmarke, hinten nicht
  • Ein QR-Code — mit ausreichender Ruhezone, worauf zu achten ist steht unter QR-Codes auf Taschen
  • Ein Claim oder eine Botschaft, die neben dem Logo zu viel wäre
  • Standortangaben bei Filialnetzen — im Digitaldruck ohne Aufpreis je Standort variierbar
  • Pflegehinweise, wenn die Tasche regelmäßig gewaschen wird

Die vorletzte Möglichkeit wird selten genutzt und ist wirtschaftlich die interessanteste: Vorderseite einheitlich für die ganze Auflage, Rückseite mit wechselnder Standortangabe. Im Digitaldruck kostet der Motivwechsel nichts.

Was Sie technisch beachten sollten

Durchscheinen. Bei leichten Geweben kann sich ein dunkles Motiv der Rückseite auf der Vorderseite leicht abzeichnen — besonders bei hellen Taschen und großflächigen dunklen Motiven. Bei mittleren und schweren Qualitäten ist das unkritisch. Im Zweifel ein Muster anfordern.

Passgenauigkeit. Vorder- und Rückseite werden nacheinander bedruckt. Eine exakte Deckungsgleichheit der beiden Motive lässt sich nicht garantieren. Gestalten Sie deshalb nicht so, dass ein Element durchscheinen und exakt hinter einem anderen liegen soll.

Druckfläche. Sie ist auf der Rückseite dieselbe wie vorn — aber bei gefalteten Modellen gilt auch dort, dass ein Teil im Falz liegt. Rechnen Sie mit der angegebenen Fläche, nicht mit der Außenbreite.

Die Rechnung in einem Satz

Wenn die Tasche getragen wird, verdoppelt die zweite Seite die Sichtbarkeit für deutlich weniger als den doppelten Preis. Wenn sie überreicht und abgestellt wird, zahlen Sie für eine Fläche, die niemand sieht.

Fragen Sie sich also nicht, ob das Budget für zwei Seiten reicht — sondern, wie die Tasche im Einsatz gehalten wird.

Häufige Fragen

Kostet beidseitiger Druck doppelt?

Im Sieb- und Digitaldruck ist die zweite Seite ein eigener Arbeitsgang und kostet entsprechend zusätzlich — im Siebdruck zusätzlich pro Farbe ein Klischee. Im All-Over-Druck ist sie enthalten, weil ohnehin die gesamte Fläche bedruckt wird.

Muss auf beiden Seiten dasselbe Motiv stehen?

Nein. Vorder- und Rückseite können unterschiedlich gestaltet sein. Üblich ist ein großes Logo vorn und eine ergänzende Information hinten.

Wann lohnt sich die zweite Seite?

Wenn die Tasche getragen und dabei von beiden Seiten gesehen wird — auf Messen, im Straßenbild, bei Events. Bei Taschen, die überreicht und abgestellt werden, meist nicht.

Scheint der Druck auf die andere Seite durch?

Bei leichten Geweben kann sich ein dunkles Motiv leicht abzeichnen. Bei mittleren und schweren Qualitäten ist das unkritisch.

Kann ich die Rückseite je Standort unterschiedlich gestalten?

Im Digital- und All-Over-Druck ja, ohne zusätzliche Rüstkosten. Das ist bei Filialnetzen die wirtschaftlichste Art, Standortangaben unterzubringen.

Liegen Vorder- und Rückseite exakt übereinander?

Nicht auf den Millimeter — beide Seiten werden nacheinander bedruckt. Gestalten Sie deshalb keine Motive, die exakt hintereinanderliegen müssen.

Fazit

Die Rückseite lohnt sich, wenn die Tasche getragen wird, und lohnt sich nicht, wenn sie überreicht wird. Und beim All-Over-Druck stellt sich die Frage ohnehin nicht — dort ist sie enthalten.

Nennen Sie uns bei der Anfrage, wie die Taschen eingesetzt werden. Dann rechnen wir beide Varianten gegen und sagen Ihnen, ob sich das Verfahren allein wegen der zweiten Seite ändern sollte.


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Senior Marketing-Stratege & Werbeartikel-Experte

Berät seit über zehn Jahren B2B-Unternehmen bei Auswahl und Veredelung individueller Werbeartikel – mit Fokus auf messbarer Markenwirkung und nachhaltigen Promotion-Strategien.

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